1. Arbeitsmarktstudie im Friseurhandwerk

Arbeitsmarktstudie im Friseurhandwerk über Motive, Ziele und Wünsche der Mitarbeiter

Die magischen 3 Mitarbeiter Typen

Arbeitsmarktstudie im Friseurhandwerk über Motive, Ziele und Wünsche der Mitarbeiter

Erstmals klärt eine Arbeitsmarktstudie im Friseurhandwerk über Motive, Ziele und Wünsche der Mitarbeiter auf. Über 1000 Friseure und Lehrlinge haben einen umfangreichen Fragebogen ausgefüllt. Die Wirtschaftsuniversität Wien unter Leitung von Professor Björn Ambos wertete die Ergebnisse im Auftrag der beiden Jobbörsen Friseurjobagent in Deutschland und Österreich aus.  Unterstützt wurde das Projekt von Schwarzkopf Professional. Fachleute predigen es schon lange und die meisten Unternehmer spüren es selbst: Es wird zunehmend schwieriger gute Friseure zu bekommen. Chefs müssen in Zukunft nicht nur Marketing für Kunden, sondern vor allem auch für Arbeitnehmer machen. Dafür müssen sie zunächst wissen, was Friseure motiviert, was sie zufrieden macht, wie man sie für den Beruf gewinnt und dort hält. Wissenschaftlich belegt liefert die erste Arbeitsmarktstudie nun verläßliche Daten.

 

Die Berufenen, die Zufriedenen und die Arbeiter

Die Studie zeigt, dass es drei grundsätzlich unterschiedliche Typen bei Arbeitnehmern im Friseurhandwerk gibt: die Berufenen, die Zufriedenen und die Arbeiter.  Wie der Name schon sagt, ist die Gruppe der Berufenen die, die den Beruf wieder wählen und weiterempfehlen würden. Hier finden sich überdurchschnittlich viele Männer und Führungskräfte. Die Arbeiter sind jene Gruppe, die arbeiten, weil es notwendig ist, die den Beruf auch nicht weiterempfehlen oder nochmals wählen würden. Dazwischen steht die Gruppe der Zufriedenen, die zwar relativ gerne Friseur sind, aber die Arbeit vor allem als Notwendigkeit sehen. Diese Gruppe muß besonders motiviert werden, um Freude an der Arbeit zu haben.

Die Berufenen sind wohl die Wunschkandidaten eines jeden Arbeitgebers, denn sie haben signifikant höhere Werte, wenn es um Gewissenhaftigkeit, Extraversion und Verträglichkeit geht, als die Zufriedenen und die Arbeiter.

 

Wie findet man als Arbeitgeber nun die Berufenen?

Ein Ergebnis der Studie zeigt, dass die Berufenen schon von Anfang an den Beruf bewußter auswählen. Eine Zufallswahl, nach dem Motto „irgendwas mußte ich ja lernen" oder „ ich wußte nicht, was Friseure eigentlich machen" findet man bei den Zufriedenen und den Arbeitern viel häufiger, als bei den Berufenen.

Die Gründe für die Berufswahl

Wichtigster Grund für die Wahl des Friseurberufes ist der Wunsch, Kontakt zu Menschen zu haben. Der Zufall ist ein weiterer, von Lehrlingen oft genannter Grund. Bei Stylisten wird der Zufall nicht mehr so oft genannt, was möglicherweise darauf hindeutet, dass diejenigen, die zur „zufällig" Friseurin werden, nicht lange im Beruf bleiben.

Folgende fünf Aussagen bewerteten die Friseure als am meisten zutreffend.
Die immense Verantwortung der Ausbildungsbetriebe bei der Wahl der Lehrlinge wird hier überdeutlich. Wer Lehrlinge ausbildet, die den Beruf gewählt haben, weil ihnen eben nichts besseres einfiel oder sie nichts anderes bekommen haben, investiert Zeit und Energie in Menschen, die wohl kaum zu einer Stütze des Unternehmens werden. Salonteams sollten auch aktiv mitsuchen, wenn eine Stelle neu zu besetzten ist und die Teams sollten auch mitentscheiden, wer eingestellt wird, damit die „Chemie" unter den Mitarbeitern stimmt.

 

Wo finden Friseure ihre Arbeitgeber?
Während sich Stylisten häufig bei der Jobsuche im Internet und bei Tageszeitungen umsehen, verlassen sich Lehrlinge noch mehr auf den Bekanntenkreis. Blindbwerbungen sind bei der Jobsuche am erfolgversprechendsten, dicht gefolgt von Informationen aus dem Bekanntenkreis und von Kollegen. Ähnlich wie bei Kunden, bei der die Mund-zu-Mund-Propaganda die beste Werbung ist, funktioniert es also auch bei den Mitarbeitern. Für Chefs hat das weitreichende Konsequenzen: In Zukunft werben sie um Mitarbeiter genauso, wie um Kunden. Friseurunternehmen müssen sich zunehmend der Aufgabe stellen, sich als Arbeitnehmer positiv zu präsentieren, also potentiellen Mitarbeitern gute Gründe für eine Bewerbung zu geben.

 

Welche Arbeitgeber suchen Friseure?
Interessanterweise steht das Einkommen bei der Wahl des Arbeitgebers erst an dritter Stelle. Alle Friseure, vor allem die Berufenen legen den größten Wert auf „Zwischenmenschliches" also ein gutes Arbeitsklima, nette Kollegen einen fairen, motivierenden Chef. Danach folgt das Image des Salons und dann erst die Entlohnung.
Vor allem für die Berufenen unter den Friseuren sind Aufstiegschancen und ein erfahrener Chef sowie Weiterbildungsmaßnahmen wichtig.
Für Saloninhaber bedeutet das eine Menge Arbeit: Viele Chefs müssen lernen, Mitarbeiter richtig zu führen, fairer Motivator ihres Teams zu sein. Ein paar Euro mehr in der Tasche bringen keine guten Friseure ins Team, wenn die Stimmung schlecht ist, obwohl die Verdienstmöglichkeiten natürlich ein wichtiger Faktor sind, um überhaupt motivierte junge Leute für den Beruf zu gewinnen.

 

Einzelsalon oder Kette?
Die meisten der befragten Friseure arbeiten in Einzelsalons und ziehen diese auch als Arbeitsplatz vor. Fast 60 Prozent aller Friseure möchten in Mittelpreissalons mit vier bis zehn Mitarbeitern arbeiten. Nur 18 Prozent der Befragten ist es egal, wie groß der Salon ist.
Die Zahl derjenigen, die einen Teilzeitarbeitsplatz suchen ist groß, nur wenige haben aber die Möglichkeit dazu. Hier müssen Arbeitgeber sicher flexibler werden und den Bedürfnissen ihrer meist weiblichen Arbeitnehmerinnen entgegenkommen.
Wunsch und Realität decken sich im Arbeitsleben von Friseuren nicht immer. Viele, die gern in höherpreisigen Salons arbeiten würden, sehen keine Möglichkeit dazu. Nur wenigen Friseuren ist es egal, wo das Preisniveau des Salons, in dem sie arbeiten liegt. Die Berufenen unter den Friseuren sind mit 82 Prozent viel häufiger in ihrem Wunschsalon zu finden, als Arbeiter und Zufriedene mit ca. 75 Prozent.

 

Wie wichtig ist Weiterbildung ?
Die Zufriedenheit im Beruf hat einen deutlichen Zusammenhang mit der Häufigkeit der Weiterbildung ergeben. Der Effekt verstärkt sich bei den Berufenen, denen die Weiterbildung noch wichtiger ist, als Zufriedenen und Arbeitern.
Salons, die ihren Mitarbeitern kaum Chancen zur Weiterbildung geben, werden es in Zukunft schwer haben, gute Leute zu finden.
Ob Lehrlinge und Stylisten mit der Weiterbildung zufrieden sind, hängt übrigens kaum davon ab, ob Seminare in der Freizeit oder in der Arbeitszeit statt findet. Entscheidend ist, ob der Arbeitgeber die Kosten zumindest teilweise übernimmt, oder nicht. Friseure sind nur ungern bereit, für ihre Weiterbildung selbst zu bezahlen.

 

Zufriedenheit im Beruf
Vier Faktoren sind entscheidend für die Arbeitszufriedenheit in Salons: Die Tätigkeit an sich, das Zwischenmenschliche, die Behandlung und die Bezahlung und Beförderung.
Wie zu erwarten sind die meisten Friseure unzufrieden mit der Bezahlung und den Beförderungsmöglichkeiten in ihrem Beruf. Friseurunternehmer müssen sich hier Gedanken machen, wie sie ihren Mitarbeitern mehr Einkommen ermöglichen. Mit der Tätigkeit an sich sind alle drei Arbeitnehmertypen recht zufrieden, ab meisten natürlich die Berufenen. Dazwischen liegen die Faktoren Zwischenmenschliches und Behandlung( durch den Chef) . Vor allem beim Punkt „Behandlung" klaffen die Werte bei den Berufenen und den Arbeitern und Zufriedenen weit auseinander. Gerade diese Gruppe bräuchte aber mehr Lob und Aufmerksamkeit, weil die Arbeit an sich nicht so befriedigend ist. Gute Leistungen und Fortschritte müssen im Alltag mehr gewürdigt werden, das würde alle Mitarbeiter zufriedener machen.

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