11-12. Unternehmens-Philosophie und Salonnamen

Jeder Friseur hat seine Unternehmensphilosophie, entweder schriftlich formuliert oder etwas unsortiert im Kopf.

Die Wahl des Salonnamens

Unternehmensphilosophie definierten und Salonnamen finden

Jeder Friseur hat seine Unternehmensphilosophie, entweder schriftich formuliert oder etwas unsortiert im Kopf. Ich habe Existenzgründern immer geraten, einmal aufzuschreiben, was sie eigentlich wollen. Dann pflege ich sie auch zu fragen, was sie auf keinen Fall wollen.
Den Trick habe ich übrigens von Friseuren, die so Kunden fragen, die nicht wissen, was sie wollen. Auch bei jungen Friseuren kommen dann erstaunlich präzise Aussagen. Wenn ich dann nachgehakt habe, woher die Abneigung gegen bestimmt Konzepte kam, dann waren es fast immer konkrete Erfahrungen mit früheren Chefs. Da liegt nun oft eine fatale Fehleinschätzung. Wenn eine Sache nicht klappt, kann es an der Sache liegen oder an demjenigen, der die Sache macht. Es kann aber auch andersherum sein: Ein junger Friseur schwört auf Arbeitsmethoden, Betriebsstrukturen oder Produkte, weil sein früherer Chef damit erfolgreich war. Erfolg ist aber immer multikausal, hat also viele Gründe. Ich kenne viele Fälle, in denen Friseure insgesamt Erfolg haben, obwohl sie einige falsche Dinge machen und/oder einige Dinge falsch machen. Für einen relativ unerfahrenen jungen Friseur ist es nicht immer leicht, das zu erkennen.

 

Die eigene Geschäftsphilosophie

Deshalb ist mein Rat: ehe die eigene Geschäftsphilosophie endgültig steht, sollte ein junger Friseur die Alternativen gut kennen.

 

Hier ein paar Beispiele:

  • Unisexsalon oder getrennter Herren- und Damensalon
  • Arbeitseinteilung des Chefs
  • Reines Friseurhandwerk oder auch Kosmetik
  • Mit oder ohne Terminabsprache
  • Universalplätze oder Speziaiplätze (z.B. Waschsessel)
  • Großer Verkaufsraum oder wenig Verkaufsraum
  • Konzentration auf Zielgruppen oder "Friseur für die ganze Familie"
  • Teurer Standort mit viel Lauf oder weniger teurer Standort
  • Besetzte oder nicht besetzte Rezeption
  • Einkaufsorientierung Lieferfirma x, Einkaufsorientierung Firma y

Das Finden einer eigenen Unternehmensphilosophie ist Einpendeln. Ich bin immer wieder verwundert, wie festgezurrt das Pendel bei Existenzgründern oft schon ist, ganz schlicht aus Unkenntnis über die Möglichkeiten, auf unterschiedlichem Weg Erfolg im Friseurberuf zu haben. Vor vielen Jahren lernte ich auf einem Chef-Lehrgang einen jungen Friseur kennen, der noch gar nicht selbständig war und sich den nicht gerade billigen Lehrgang aus eigener Tasche finanziert hatte. Dieser Fall ist bis heute ein seltener Fall geblieben. Der Friseur ist aber bis heute ein selten erfolgreicher Friseur. An einem Beispiel will ich einmal darstellen, daß Fragen zur Unternehmensphilosophie gar nicht so philosophisch, sondern konkret und praktisch sein können.

 

Festlegung der Öffnungszeiten

Bei Neugründungen ist die Festlegung der Öffnungszeiten eine wichtige Grundsatzentscheidung. So ist es in zentraler Lage einer Großstadt durchaus nachdenkenswert, mit einem kleineren Geschäft Montags zu öffnen und Samstags geschlossen zu halten. Ein Friseur, der schon viele Jahre am Markt ist, kann kaum am Samstag einfach zu machen. Sechs Tage Öffnung ist aber in einem kleineren Betrieb kaum zu organisieren. Also wird traditionell Montags geschlossen. Bei Neugründung kann die Entscheidung dagegen anders ausfallen. Sind berufstätige Männer und Frauen die Hauptzielgruppe, dann kann eine Öffnung am Montag interessanter sein als am Samstag. Wichtig ist dabei auch, was die Mitbewerber machen. Haben die am Montag geschlossen, steigen die Chancen. Mit einem freien Samstag sind auch leichter - vor allem junge - Mitarbeiter zu gewinnen. Es kann also eine gute Strategie sein, mit Öffnungszeiten von Montag bis Freitag zu beginnen und mit wachsendem Kunden- und Personalstamm dann auch am Samstag zu öffnen. Eine solche Entscheidung, das wollte ich mit diesem Beispiel verdeutlichen, muß eingebettet sein in ein Gesamtkonzept, also eine Unternehmens-philosophie.


Zum Finden einer eigenen Unternehmensphilosophie habe ich einmal nach Bearbeitung des Themas auf einem Marketingseminar eine ganze Reihe Fragen zusammengetragen, die zum Formulieren einer eigenen Unternehmensphilosophie führen können (s. Thema 49). Erschrecken Sie nicht über die vielen Fragen. Die Anworten darauf müssen solange destilliert und komprimiert werden bis die Unternehmensphilosophie auf maximal einer Seite steht.
Ideal ist es, wenn dann diese Philosophie noch einmal in einem Satz verdichtet wird, der dann Slogan zum Namen des Unternehmens sein kann, z.B.:Friseurteam Müller einfach gut zu Ihrem Haar

 

12. Der richtige Name?
Darüber könnte ich allein ein Buch schreiben, eine Art Kulturge-schichte der Friseurnamen.
Wir müssen da zunächst zwischen dem juristischen Namen und dem Künstlernamen unterscheiden. Bei den juristischen Namen ist es wieder ein Unterschied, ob er für eine Personen- oder Kapitalgesell-schaft gedacht ist. Das haben Meisterschüler alles schon für die Prüfung gelernt. Ich möchte nur noch einmal daran erinnern. Vor allem bei Gesellschaften ist durch Änderung des Handelsgesetzbuches die juristische Namenswahl erleichtert worden.
Den "Künstlernamen" nennen Juristen: Etablissementsbezeichnung.
Also: Der Friseur kann Peter Schneider heißen und so ist auch sein juristischer Name, der dann an der Ladentür und auf dem Briefkopf von Geschäftsbriefen stehen muß.


In Zeitungsanzeigen oder auf Wurfzetteln braucht dieser juristische Name nicht zu stehen, wenn sein "Künstlername" Struwelpeter ist. Im Friseurhandwerk geht bei Existenzgründungen ein starker Trend zu originellen Kunstschöpfungen. Damit soll Kreativität und eine Allein-stellung demonstriert werden, oft auch Jugendlichkeit. Ich nenne dabei bewußt keine Beispiele, um niemanden zu verletzen. Denn jetzt folgt eine kritische Auseinandersetzung mit diesen phantasiereichen Namen.


Der Name ist oft der erste Eindruck

Der Name ist oft der erste Eindruck von einem Friseurgeschäft. Für den ersten Eindruck hat jeder nur eine Chance. Diese Chance wird nicht genutzt, wenn entweder nicht zu erkennen ist, daß es sich um ein Friseurgeschäft handelt, oder aber vielen Menschen signalisiert wird: Dich wollen wir nicht! Namen sollen einladen und nicht ausgrenzen. Ich sehe bei den Friseuren eine gewisse Parallele zur Gastronomie, in der sich Szene-lokale ganz bewußt durch originelle Namen von "Bei Willi" absetzen wollen. Was in der Gastronomie "Bei Willi" ist, das ist in der Fri-seurbranche "Salon Tusnelda". Es gibt aber einen ganz erheblichen Unterschied. Die Szenelokale brauchen und wollen ältere Menschen nicht als Kunden, junge Friseure brauchen dagegen ältere Menschen dringend als Kunden. Marktzahlen beweisen eindrucksvoll, daß jungen Menschen relativ wenig zum Friseur gehen und ältere Menschen relativ oft. Junge Menschen geben relativ weniger für den Friseur aus, wenn sie hingehen, als ältere Menschen. Die jungen Menschen werden immer weniger, die älteren immer mehr. Das ist kein Plädoyer für einen Seniorensalon, sondern eine Warnung, schon durch die Namensge-bung älteren - und damit oft traditioneller denkender Menschen - zu signalisieren: Wir wollen dich nicht!

 

Produkt- oder Dienstleistungsmarke

Der Name eines Friseurs muß wie eine Produkt- oder Dienstleistungsmarke gesehen werden. Er sollte so festgelegt sein, daß er nicht nach ein paar Jahren schon wieder gewechselt werden muß. Irgendwie erinnert mich die Namensfindung an die Namenswahl bei Kindern durch die Eltern, bei denen dann ein Kind mit schlimmen Folgen ein Leben lang unter dem spleenigen Namen leiden muß, der ihm von seinen Eltern verpaßt wurde. Mit der signalisierten Kreativität durch Namen ist es auch so eine Sache. Die meisten Kunden, auch die jungen, fürchten mehr die Kreativität der Friseure als das sie sie bewundern.

Meine Empfehlung:

Es sollte am Namen klar erkennbar sein, daß es sich um einen Friseur handelt. Marlies Möller oder Peter Polzer in Hamburg sind keine Gegenbeweise. Beide haben über Jahre ungeheuer viel in ihre Marke investiert, so daß die meisten Hamburger, die sich die beiden leisten können oder wollen, wissen, daß das Friseure sind. •Der persönliche Name sollte möglichst nicht völlig verschwinden, wenn es nicht gerade ein unaussprechlicher oder sogar abstoßender Name ist.  Der Name sollte deutlich geschrieben und schon vom weitem lesbar sein. Was da manchmal junge Grafiker - oft Freunde der jungen Friseure - verzapfen, ist glatte Geschäftsschädigung. • Vermeiden Sie eine zu weibliche Anmutung. Viele Frauen glauben immer noch - völlig zu unrecht, daß ihnen die Männer die Haare besser schneiden.

 

Alternativen von Salonnamen

Wie für viele andere Themen gilt hier auch: Sammeln Sie zunächst Alternativen. Mindestens fünf sollten in die nähere Auswahl kommen und auch getestet werden, ehe sich ein Existenzgründer für einen Namen entscheidet.

Der Test kann simpel sein:

Sieschreiben die Namen möglichst schon mit geplantem Schriftzug auf ein Stück Papier und vergrößern und verkleinern sie mit einem Kopierer. Wenn der Schriftzug farbig wird, ist es auch wichtig zu wissen, wie eine Schwarz-Weiß-Kopie aussieht. Dann heften Sie sich die Schriftzüge an die Wand und schauen sie immer wieder an und lassen sie durch andere anschauen. Notieren Sie dann alle Bemerkungen. Eine größere Anzahl von Menschen können Sie auch fragen: Zu welchem der genannten Friseure würden Sie/würdest Du zuerst gehen? So können Sie nicht nur den Namen, sondern auch die Grafik testen.

Und noch ein Tip:
Schreiben Sie den Namen mitten zwischen die zehn wichtigsten Mitbewerber und fragen Sie Ortsunkundäge, zu welchem Friseur sie ohne weitere Informationen am ehesten gehen würden. • Legen Sie den Namen erst fest, wenn auch die Unternehmensphilosophie und der Slogan feststeht. Das muß zusammenpassen.

Alles soll nach dem 5A-Prinzip signalisieren:
Auffallend anders als alle anderen und nicht Alles anders als alle anderen. Wer den Unterschied in der Ausformulierung des 5-A-Prinzips erkannt hat, merkt, worauf ich mit der ersten Formulierung hinaus will.

Zusatztip:
Wenn Sie sich einen originellen Künstlernamen geben wollen, lassen Sie von einem fachlich versierten Anwalt überprüfen, ob der Name noch frei ist, d. h. nicht als Dienstleistungsmarke für andere geschützt ist. Haarlekin oder Pappilotta z.B. sind geschützt und bei der Verwendung kann ein anderer Friseur auch mit erheblicher zeitlicher Verzögerung enormen Ärger bekommen.

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