Kapitel 1: Warum über Geld reden so schwer ist
Mal ehrlich: Über Haarschnitte, Strähnentechnik oder neue Farbtrends reden wir stundenlang – über Geld dagegen kaum. Kaum ein Thema sorgt für so viel Schweigen in unserem Beruf wie die Frage: „Was verdienst du eigentlich?“ oder „Hast du schon mal nach mehr Geld gefragt?“
Warum ist das so?
Geld als Tabu in der Branche
Im Friseuralltag dreht sich alles um Schönheit, Kreativität und Nähe zum Menschen. Geld wirkt da oft wie ein Fremdkörper. Wir sind Dienstleister:innen, geben alles für unsere Kundschaft und hören uns ihre Sorgen an – doch wenn es um die eigene Wertschätzung in Euro geht, verstummen viele. In vielen Teams ist es fast ein ungeschriebenes Gesetz, nicht über Gehalt zu sprechen. Wer es doch tut, wird schnell als unzufrieden abgestempelt.
Dabei gehört das Gehalt genauso zum Job wie die Schere in der Hand. Es zeigt, welchen Wert wir uns selbst und unsere Chefs uns beimessen. Und trotzdem fühlt es sich an, als ob über Geld reden irgendwie „unfein“ wäre.
„Ich kann doch nicht mehr verlangen …“
Viele von uns haben gelernt, bescheiden zu sein. Der Beruf wird oft als „Berufung“ verkauft – Haare machen aus Leidenschaft, nicht für den Kontostand. Klar, wir lieben, was wir tun. Aber von Leidenschaft allein kann keiner die Miete zahlen.
Das Problem: Diese Einstellung hat sich über Jahrzehnte festgesetzt. Friseure gelten als „kreativ, aber schlecht bezahlt“. Wir selbst tragen manchmal dazu bei, wenn wir denken: „Mehr Gehalt steht mir nicht zu, so wichtig bin ich doch nicht.“ Das ist falsch. Gerade unsere Fähigkeiten, unsere Ausdauer und unsere Nähe zu den Menschen machen uns unersetzlich.
Die Angst vor Ablehnung
Gehaltsverhandlungen scheitern oft schon im Kopf. Viele fürchten die Reaktion des Chefs: „Wenn ich frage, wird er sauer.“ Oder: „Dann denkt er, ich bin nur aufs Geld aus.“ Diese Angst führt dazu, dass wir lieber still bleiben, selbst wenn wir innerlich längst unzufrieden sind.
Das Tragische daran: Wer nie fragt, bekommt auch selten von selbst eine Erhöhung. Chefs haben genug um die Ohren, und oft merken sie gar nicht, dass jemand schon lange auf der Stelle tritt.
Fachkräftemangel als Gamechanger
Doch die Zeiten ändern sich. Der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass gute Leute plötzlich sehr gefragt sind. Immer mehr Salons merken, dass sie ohne faire Löhne keine Fachkräfte halten können. Das ist eine Chance – gerade für uns, die schon länger dabei sind oder sich weitergebildet haben.
Über Geld zu reden, heißt heute nicht mehr, undankbar zu sein. Es heißt, Verantwortung für dieeigene Zukunft zu übernehmen. Wer offen und professionell über sein Gehalt spricht, zeigt, dass er sich selbst ernst nimmt. Und genau das ist ein Signal, das auch Vorgesetzte respektieren.
Warum wir umdenken müssen
Wenn wir in der Beauty- und Handwerksbranche weiter vorankommen wollen, müssen wir dieses Tabu brechen. Reden wir offen über Geld. Tauschen wir uns mit Kolleg:innen aus. Lernen wir, unsere Leistung sichtbar zu machen.
Denn am Ende geht es nicht nur um den eigenen Lohn. Faire Gehälter bedeuten auch: Unser Beruf wird attraktiver für junge Menschen, unsere Arbeit wird gesellschaftlich ernster genommen, und wir selbst können stolz sagen: „Ja, ich liebe meinen Job – und er ernährt mich gut.“
Kapitel 2: Der richtige Zeitpunkt für die Gehaltsverhandlung
Timing ist alles – nicht nur bei Haarschnitten oder Haarfarben, sondern auch beim Gehalt. Ein Gespräch über mehr Geld braucht den richtigen Moment, sonst wird es schnell zum Rohrkrepierer. Und genau hier machen viele Kolleg:innen den Fehler: Sie fragen irgendwann zwischendurch, ohne Plan und ohne Gefühl für die Situation. Dabei gilt: Der Zeitpunkt entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg.
Nach der Probezeit: Dein erster Meilenstein
Die Probezeit ist wie ein erster Tanz mit deinem Chef. Du lernst den Salon kennen, er schaut, ob du ins Team passt. Wenn diese Zeit erfolgreich vorbei ist, ist das ein idealer Moment, über Gehalt zu sprechen. Du hast bewiesen, dass du zuverlässig bist, Kund:innen mögen deine Arbeit, und du bist kein Risiko mehr. Wer hier selbstbewusst fragt, zeigt, dass er den nächsten Schritt gehen will.
Wenn du neue Verantwortung übernimmst
Ob Azubibetreuung, Schlüsselgewalt für den Salon oder zusätzliche Aufgaben wie Social Media – jede neue Verantwortung ist ein starkes Argument für eine Gehaltserhöhung. Viele vergessen, solche Situationen zu nutzen. Doch genau dann kannst du sagen: „Ich mache jetzt mehr, und das sollte sich auch in meinem Gehalt widerspiegeln.“ Das zeigt nicht nur Anspruch, sondern auch Professionalität.
Nach Weiterbildungen oder Zertifikaten
Du hast eine Coloration-Fortbildung gemacht, eine neue Schneidetechnik gelernt oder dich zur Visagistin weitergebildet? Perfekt. Weiterbildungen steigern nicht nur deine Fähigkeiten, sondern bringen dem Salon direkt mehr Umsatz. Kund:innen zahlen für Trends und Qualität – also solltest du für dein neues Können auch entlohnt werden. Nutze solche Gelegenheiten aktiv, um das Gespräch zu eröffnen.
Jahresgespräche als sichere Bühne
Viele Salons führen einmal im Jahr Mitarbeitergespräche. Das ist wie eine Einladung zur Verhandlung. Hier kannst du deine Leistungen des letzten Jahres auf den Tisch legen, Feedback einfordern und gleichzeitig dein Gehalt thematisieren. Vorteil: Dein Chef ist ohnehin in der „Gesprächs-Stimmung“, und das Thema wirkt professionell eingebettet.
Vorsicht bei falschem Timing
Es gibt aber auch Momente, die du besser meidest. Wenn der Chef gerade im Stress ist, der Laden leer bleibt oder ein großer Streit im Team schwelt, dann ist nicht der Moment für deine Forderung. Auch direkt nach einer Kritik solltest du warten. Dein Ziel ist ein Gespräch auf Augenhöhe – nicht eine Diskussion im falschen Ton.
Den perfekten Rahmen schaffen
Du kannst den Zeitpunkt mitgestalten: Vereinbare einen Termin, statt zwischen Tür und Angel zu fragen. Sag deinem Chef: „Ich möchte gerne ein Entwicklungsgespräch mit Ihnen führen.“ Das wirkt souverän und zeigt, dass du es ernst meinst. Je besser der Rahmen, desto höher die Chance, dass dein Anliegen Gehör findet.
Dein Mut wird belohnt
Es gibt keinen 100-Prozent-Perfekt-Moment, aber es gibt kluge Gelegenheiten, die deine Chancen deutlich steigern. Wichtig ist, dass du nicht wartest, bis dein Frust überhandnimmt. Wer regelmäßig im richtigen Moment das Gespräch sucht, sorgt dafür, dass Leistung anerkannt und Entwicklung fair bezahlt wird.
Und ganz ehrlich: Dein Chef wird es eher respektieren, wenn du den Mut hast, das Thema professionell anzusprechen, als wenn du still bleibst und innerlich kündigst.
Kapitel 3: Vorbereitung ist alles
Eine Gehaltsverhandlung ist kein Zufallstreffer. Wer unvorbereitet ins Gespräch geht, hat schon halb verloren. Stell dir vor: Du gehst auf die Bühne, aber ohne Text, ohne Probe, ohne Plan – da wird jede Rolle zum Desaster. Genau so läuft es auch bei Gehaltsgesprächen: Vorbereitung ist dein Drehbuch.
Kenne deinen Marktwert
Viele unterschätzen, wie wichtig es ist, den eigenen Wert zu kennen. Frag dich: Was verdienen Friseur:innen mit deiner Erfahrung in deiner Region? Gibt es Unterschiede zwischen Großstadt und Kleinstadt? Zwischen Kette und Privatsalon? Informationen findest du in Tarifverträgen, bei Handwerkskammern oder durch den Austausch mit Kolleg:innen.
Wenn du eine konkrete Zahl im Kopf hast, wirkst du sofort sicherer. Denn nichts ist schlimmer, als im Gespräch zu sagen: „Ähm… ich hätte gerne mehr.“ – ohne zu wissen, was realistisch ist.
Sammle deine Erfolge
Dein Chef sieht viel, aber nicht alles. Es ist deine Aufgabe, deine Leistung sichtbar zu machen. Hast du Stammkunden aufgebaut? Bringt deine Farbtechnik regelmäßig Zusatzumsatz? Hast du neue Produkte erfolgreich verkauft? Schreib dir diese Punkte vorher auf – am besten mit Beispielen und Zahlen. Auch Soft Skills zählen: Geduld mit Azubis, positives Feedback von Kund:innen oder dein Einsatz bei Krankheitsausfällen.
Weiterbildungen als Joker
Nichts zeigt deinen Wert so sehr wie Weiterbildungen. Ob Balayage-Workshops, Barber-Seminare oder eine Schulung im Bereich Kosmetik – all das erweitert nicht nur deine Fähigkeiten, sondern bringt dem Salon direkten Nutzen. Wenn du frisch geschult bist, kannst du argumentieren: „Ich habe investiert, und das macht mich für den Salon noch wertvoller.“
Realistische Ziele setzen
Einer der größten Fehler: zu hoch oder zu niedrig ansetzen. Wer Mondpreise fordert, wird nicht ernst genommen. Wer zu bescheiden bleibt, verschenkt Chancen. Ein guter Richtwert: 5–10 % Gehaltssteigerung oder eine klare Argumentation für einen bestimmten Betrag. Überlege dir vorher: Wo liegt mein Wunschgehalt – und was ist meine absolute Untergrenze?
Trainiere dein Gespräch
Ja, wirklich: üben! Stell dich vor den Spiegel oder bitte eine Freundin, Chef oder Kollegin zu spielen. Sprich deine Argumente laut aus. So merkst du schnell, wo du unsicher klingst oder in langen Schachtelsätzen hängen bleibst. Je klarer du formulierst, desto souveräner wirkst du später im echten Gespräch.
Plane Alternativen ein
Manchmal gibt es keine sofortige Gehaltserhöhung. Darum ist es klug, vorher über Alternativen nachzudenken: Fahrtkostenzuschuss, zusätzliche Urlaubstage, Umsatzbeteiligung oder Weiterbildungskosten. So kannst du flexibel reagieren, falls dein Chef sagt: „Mehr Gehalt geht gerade nicht.“
Dein roter Faden
Am Ende ist Vorbereitung nichts anderes als ein roter Faden:
- Marktwert kennen
- Eigene Leistung sammeln
- Erfolge auflisten
- Realistische Zahl festlegen
- Gespräch üben
- Alternativen im Kopf haben
So gehst du nicht mit einem mulmigen Gefühl in die Verhandlung, sondern mit Klarheit und Stärke. Und das spürt auch dein Gegenüber.
Kapitel 4: Das Gespräch führen – Tipps aus der Praxis
Der große Moment ist da: Du sitzt deinem Chef gegenüber, Herz klopft, Hände schwitzen. Jetzt entscheidet sich, ob deine Vorbereitung Früchte trägt. Keine Sorge – mit den richtigen Tricks kannst du das Gespräch souverän meistern.
Die Haltung zählt
Setz dich nicht klein in die Ecke, sondern aufrecht und offen an den Tisch. Dein Körper spricht, noch bevor du den Mund aufmachst. Strahle Ruhe aus, atme tief durch, und zeig: „Ich nehme dieses Gespräch ernst.“
Positive Sprache statt Forderungen
Der Satz „Ich brauche mehr Geld“ ist wie eine stumpfe Schere – wirkungslos und unangenehm. Besser: „Ich möchte mit Ihnen über meine Weiterentwicklung sprechen.“ Klingt konstruktiv und öffnet die Tür für ein gutes Gesprächsklima.
Struktur in deinen Argumenten
Denk an die Reihenfolge:
- Leistung („Ich habe Stammkunden aufgebaut, die regelmäßig für Umsatz sorgen.“)
- Verantwortung („Zusätzlich betreue ich Azubis und organisiere den Warenbestand.“)
- Marktwert („In unserer Region liegt das Durchschnittsgehalt in meinem Bereich höher.“)
So führst du dein Gegenüber Schritt für Schritt.
Hör zu, statt nur zu reden
Viele glauben, eine Gehaltsverhandlung sei ein Monolog. Falsch! Höre genau hin, wenn dein Chef reagiert. Vielleicht bringt er Punkte ein, die du aufnehmen kannst. So entsteht ein echter Dialog und kein Schlagabtausch.
Selbstbewusst, nicht überheblich
Es ist ein Balanceakt: Stärke zeigen, ohne arrogant zu wirken. Dein Ziel ist nicht, zu gewinnen, sondern eine Einigung zu erzielen, bei der beide Seiten zufrieden sind.
Praktischer Tipp
Leg dir kleine Stichpunkte auf einen Zettel oder dein Handy. Das wirkt nicht unsicher, sondern professionell vorbereitet – so wie eine Farbrezeptur, die man sich notiert.
Fazit: Wer sein Gespräch ruhig, positiv und klar strukturiert führt, hat die besten Chancen, dass es am Ende heißt: „Okay, da können wir was machen.“
Kapitel 5: Typische Einwände der Chefs – und clevere Antworten
Kein Gehaltsgespräch läuft ohne Widerstand. Dein Chef hat schließlich auch Kosten, Verpflichtungen und manchmal schlicht Angst, eine Lawine loszutreten. Wichtig ist: Lass dich nicht aus dem Konzept bringen. Mit den richtigen Antworten kannst du jeden Einwand souverän parieren.
„Dafür ist kein Budget da.“
Die Standardantwort vieler Chefs. Statt zu resignieren, bleib sachlich: „Verstehe ich. Gibt es vielleicht die Möglichkeit, einen Teil über Umsatzbeteiligung oder Zuschüsse abzubilden?“ So zeigst du Flexibilität und bleibst im Spiel.
„Andere verdienen auch nicht mehr.“
Vergleiche sind unfair. Deine Antwort: „Ich möchte mich auf meine Leistung beziehen – und die ist gewachsen.“ So holst du das Gespräch zurück auf deine individuelle Situation.
„Wir müssen erst den Salon stabilisieren.“
Gerade in schwierigen Zeiten hören wir das oft. Reagiere gelassen: „Das kann ich nachvollziehen. Können wir einen Termin in drei Monaten festlegen, um erneut darüber zu sprechen?“ Wichtig: Lass dir diesen Termin direkt eintragen, sonst bleibt es eine leere Zusage.
„Du bist doch schon zufrieden, oder?“
Eine Falle, in die viele tappen. Klar bist du zufrieden, sonst wärst du nicht mehr da. Deine Antwort: „Ja, ich arbeite sehr gerne hier. Und genau deshalb möchte ich, dass mein Gehalt meine Entwicklung widerspiegelt.“ Positiv und klar.
„Wir zahlen schon über Tarif.“
Das mag stimmen – heißt aber nicht, dass du nicht mehr wert bist. Deine Antwort: „Das ist super, und dafür bin ich dankbar. Dennoch habe ich zusätzliche Aufgaben übernommen, die über das Übliche hinausgehen.“
Bonus-Tipp: Alternativen anbieten
Wenn dein Chef gar nicht nachgeben will, biete Alternativen an: Weiterbildung, Urlaubstage, flexible Arbeitszeiten. Das zeigt, dass du lösungsorientiert bist und nicht nur „mehr Geld“ schreist.
Fazit: Einwände sind keine Absagen, sondern Gelegenheiten, deine Argumente zu verfeinern. Wer vorbereitet antwortet, bleibt souverän und hinterlässt Respekt.
Kapitel 6: Plan B – Wenn es kein Plus im Gehalt gibt
Manchmal läuft alles perfekt: Du bist vorbereitet, hast deine Argumente parat – und trotzdem sagt dein Chef: „Mehr Geld geht nicht.“ Das ist frustrierend, aber kein Grund aufzugeben. Eine Gehaltsverhandlung endet nicht immer mit einem höheren Betrag auf dem Konto. Oft beginnt sie genau dort, wo Plan B ins Spiel kommt: bei kreativen Alternativen, die dein Leben trotzdem verbessern.
Den Blick weiten
Ein Plus im Gehalt ist nur eine Form von Anerkennung. Es gibt viele Wege, deinen Wert sichtbar zu machen – und dir Vorteile zu sichern, die bares Geld wert sind. Wer flexibel denkt, kann am Ende sogar mehr rausholen, als er mit einem reinen Gehaltsaufschlag bekommen hätte.
Hier sind fünf Beispiele, die sich in der Praxis bewährt haben:
1. Weiterbildung als Karriere-Booster
Beispiel: Du wünschst dir eine Balayage- oder Barber-Fortbildung. Statt 200 Euro mehr im Monat kannst du vorschlagen, dass der Salon die Kursgebühr übernimmt und dich für die Tage freistellt.
Vorteil: Du erweiterst deine Skills, wirst für Kund:innen wertvoller und steigerst langfristig deine Chancen auf mehr Gehalt oder eine neue Position.
2. Fahrtkostenzuschuss oder Tankkarte
Beispiel: Dein Chef sagt, er kann den Lohn nicht anheben. Stattdessen könnt ihr vereinbaren, dass er dir einen monatlichen Zuschuss für deine Fahrtkosten zahlt.
Vorteil: Weniger private Ausgaben – und das Geld bleibt dir netto direkt in der Tasche. Gerade bei steigenden Spritpreisen ein echtes Plus.
3. Mehr freie Tage oder flexible Arbeitszeiten
Beispiel: Du schlägst vor, einen zusätzlichen Urlaubstag pro Jahr oder einen festen freien Samstag im Monat zu bekommen.
Vorteil: Mehr Freizeit bedeutet mehr Erholung und Lebensqualität – und das ist für viele fast genauso wertvoll wie ein Gehaltsplus.
4. Umsatzbeteiligung oder Bonusmodell
Beispiel: Du bietest an, dass dein Gehalt an deine Verkaufszahlen gekoppelt wird. Für jedes erreichte Ziel gibt es einen Bonus.
Vorteil: Dein Chef muss nicht sofort fix mehr zahlen, du hast aber die Chance, mit Leistung zusätzlich zu verdienen – eine klassische Win-win-Situation.
5. Sachleistungen statt Bargeld
Beispiel: Dein Chef übernimmt deine Arbeitskleidung, stellt dir ein hochwertiges Werkzeugset oder beteiligt sich an deiner Altersvorsorge.
Vorteil: Das sind Kosten, die du sonst selbst tragen müsstest – und sie sind oft steuerlich begünstigt.
Strategisch denken, nicht klein beigeben
Wichtig ist: Bleib nicht bei einem „Nein“ stehen. Frag nach Alternativen, schlag selbst etwas vor. Chefs merken sofort, ob du nur „mehr Geld“ willst oder ob du wirklich deine Entwicklung und deine Zufriedenheit im Blick hast.
Am Ende zählt, dass du etwas mitnimmst: sei es eine Weiterbildung, eine Bonusregelung oder mehr Freizeit. So bleibt das Gespräch positiv, und du hast einen Fuß in der Tür für die nächste Verhandlung.
Und das Beste: Plan B öffnet Türen
Oft ist genau dieser zweite Weg langfristig sogar besser. Denn wer regelmäßig in Weiterbildung investiert oder flexible Arbeitsbedingungen aushandelt, baut sich Schritt für Schritt eine Karriere auf, die mehr bringt als ein kleiner Monatsaufschlag.
Fazit: Wenn dein Chef „Nein“ sagt, heißt das nicht, dass du verloren hast. Mit einem klugen Plan B zeigst du Kreativität, Durchsetzungsvermögen und Weitblick – und das sind genau die Eigenschaften, die dich beim nächsten Gespräch unschlagbar machen.
Kapitel 7: Fehler, die du vermeiden solltest
Gehaltsverhandlungen sind wie ein guter Haarschnitt: Mit der richtigen Technik wird’s ein voller Erfolg, mit falschen Schritten geht es schnell schief. Viele Kolleg:innen machen in diesen Gesprächen immer wieder dieselben Fehler – und stehen am Ende mit weniger da, als sie eigentlich verdient hätten. Damit dir das nicht passiert, schauen wir uns die größten Stolperfallen an.
Fehler 1: Unvorbereitet ins Gespräch gehen
„Ich wollte mal über mein Gehalt reden …“ – und dann fällt dir nichts ein. Das ist, als würdest du einen Haarschnitt anfangen, ohne Schere oder Kamm. Ohne Vorbereitung wirkst du unsicher, und dein Chef hat leichtes Spiel, dich abzuweisen. Besser: Geh mit klaren Argumenten, Zahlen und Beispielen ins Gespräch.
Fehler 2: Dich vergleichen
„Aber die Kollegin kriegt doch auch mehr!“ – ein Klassiker, der selten gut ankommt. Vergleiche mit anderen wirken neidisch und unsachlich. Dein Chef will hören, warum du mehr verdienst, nicht warum jemand anderes weniger oder mehr bekommt. Dein Fokus sollte immer auf deiner Leistung, deiner Verantwortung und deinem Wert für den Salon liegen.
Fehler 3: Nur aufs Geld fixiert sein
Ja, es geht ums Gehalt – aber nur zu sagen „ich will mehr“ ohne Entwicklungsperspektive, wirkt engstirnig. Denk breiter: Weiterbildung, Umsatzbeteiligung, freie Tage. Wer nur das Geld im Blick hat, verpasst Chancen für bessere Arbeitsbedingungen und langfristiges Wachstum.
Fehler 4: Drohen mit Kündigung
Viele versuchen Druck aufzubauen: „Wenn ich nicht mehr bekomme, gehe ich.“ Das kann funktionieren – wenn du wirklich bereit bist, zu kündigen. Wenn nicht, schießt du dir selbst ins Knie. Dein Chef spürt sofort, ob es nur eine leere Drohung ist. Besser: Bleib souverän und konstruktiv, auch wenn die Antwort „Nein“ lautet.
Fehler 5: Den falschen Zeitpunkt wählen
Nach einem schlechten Tag, mitten im Feierabendstress oder wenn der Salon gerade leer bleibt – das sind keine guten Momente für ein Gehaltsgespräch. Dein Chef wird dann vor allem die Umstände im Kopf haben, nicht deine Leistung. Plane den Termin bewusst und bitte um ein Gespräch, wenn Ruhe einkehrt.
Fehler 6: Keine klare Zahl nennen
„Mehr wäre schön“ – das ist schwammig und unkonkret. Ohne klare Zahl oder Range weiß dein Chef nicht, worüber er reden soll. Mach dir vorher Gedanken, setz dir ein Wunschgehalt und eine Untergrenze. Nur so kannst du auch verhandeln.
Fehler 7: Diskussion statt Dialog
Manchmal geraten Gehaltsgespräche in einen Schlagabtausch: Du forderst, dein Chef wehrt ab. Dann steigen beide in die Verteidigung. Besser: Stell Fragen, höre zu, nimm Argumente auf. So bleibst du im Dialog und kannst Brücken bauen, statt Mauern hochzuziehen.
Das Wichtigste: Bleib professionell
Gehaltsverhandlungen sind keine Konfrontation, sondern eine Chance. Fehler entstehen oft aus Nervosität oder Frust – aber je ruhiger und klarer du bleibst, desto größer ist die Chance auf ein positives Ergebnis.
Denk dran: Ein Nein heute heißt nicht Nein für immer. Wenn du professionell bleibst, baust du Vertrauen auf – und das öffnet dir beim nächsten Gespräch die Tür.
Fazit: Die größten Fehler sind keine Katastrophe, aber sie kosten dich Chancen. Wer vorbereitet, konstruktiv und klar ins Gespräch geht, zeigt nicht nur, dass er mehr Geld wert ist – sondern auch, dass er Verantwortung für seine Karriere übernimmt.
Kapitel 8: Fazit – Geld reden heißt Zukunft gestalten
Über Geld reden – das war in unserer Branche lange ein Tabu. Zu viele von uns haben gelernt: „Sei bescheiden, sei dankbar, Hauptsache du darfst Haare machen.“ Doch diese Haltung hat uns klein gehalten. Die Wahrheit ist: Ein fairer Lohn ist kein Geschenk, sondern Ausdruck von Wertschätzung und Professionalität.
Gehaltsverhandlungen sind Selbstfürsorge
Wenn du dein Gehalt verhandelst, geht es nicht nur um ein paar Euro mehr im Monat. Es geht um deine Anerkennung, deine Zukunft und deine Lebensqualität. Du sagst damit: „Meine Arbeit hat einen Wert, und ich nehme mich ernst.“ Das ist kein Egoismus – das ist gesunde Selbstfürsorge.
Mehr Mut stärkt die ganze Branche
Jede Verhandlung verändert nicht nur dein Konto, sondern auch das Bild unseres Berufs. Wenn wir als Friseur:innen, Kosmetiker:innen oder Beauty Consultants selbstbewusst über Geld reden, zeigen wir: Unsere Arbeit ist mehr als ein „schöner Zeitvertreib“. Sie ist Handwerk, Kunst und Dienstleistung in einem – und das darf fair bezahlt werden.
Gerade jetzt, im Fachkräftemangel, liegt die Chance auf unserer Seite. Wer Qualität will, muss sie auch bezahlen.
Dein Weg zur Professionalisierung
Gehaltsgespräche sind kein einmaliges Abenteuer, sondern Teil deiner beruflichen Entwicklung. Mit jedem Gespräch wirst du sicherer. Du lernst, deine Erfolge klarer zu benennen, Grenzen zu ziehen und dich als Profi zu präsentieren. Und das Beste: Selbst wenn es nicht sofort zu mehr Geld führt, gewinnst du Respekt und Einfluss.
Kleine Schritte, große Wirkung
Den perfekten Moment gibt es nicht, und die perfekte Verhandlung schon gar nicht. Aber jeder Schritt zählt:
- Wenn du anfängst, über deinen Wert nachzudenken.
- Wenn du deine Leistungen aufschreibst.
- Wenn du dich traust, einen Termin zu vereinbaren.
- Wenn du souverän reagierst, auch wenn dein Chef „Nein“ sagt.
All das bringt dich weiter.
Zukunft gestalten heißt reden lernen
Unsere Branche wird nur dann attraktiv für junge Menschen bleiben, wenn wir zeigen, dass Leidenschaft und faire Bezahlung zusammengehören. Jede Gehaltsverhandlung, die du führst, ist ein Beitrag dazu. Du kämpfst nicht nur für dich, sondern auch für die nächsten Generationen von Friseur:innen und Beauty-Profis.
Fazit: Reden wir also mehr über Geld – offen, klar und professionell. Dein Gehalt ist kein Zufall, sondern das Ergebnis deiner Haltung, deiner Argumente und deines Mutes. Wer hier Verantwortung übernimmt, gestaltet nicht nur die eigene Karriere, sondern die Zukunft unserer ganzen Branche.
Anna, 27, Coloristin
Anna: „Frau Schmitt, ich würde gerne mit Ihnen über meine Entwicklung sprechen. In den letzten Monaten habe ich viele Stammkundinnen aufgebaut, die regelmäßig Balayage buchen. Das hat den Umsatz spürbar gesteigert. Zusätzlich habe ich die Verantwortung für unser Farbregal übernommen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass sich das auch in meinem Gehalt widerspiegelt.“
Chefin: „Das stimmt, die Farbkunden fragen schon gezielt nach dir. Ich finde es fair, dir hier entgegenzukommen. Wir erhöhen dein Gehalt ab nächsten Monat um 7 %. Außerdem übernehmen wir deine nächste Weiterbildung.“
Anna: „Vielen Dank, das motiviert mich sehr!“
Miriam, 34, Stylistin und Teamstütze
Miriam: „Herr Krause, ich arbeite seit zehn Jahren hier und habe das Gefühl, dass ich deutlich mehr Verantwortung übernommen habe – zum Beispiel bei der Einarbeitung neuer Azubis. Mir ist wichtig, dass das anerkannt wird. Darum würde ich gerne mein Gehalt anpassen.“
Chef: „Du hast recht, Miriam. Dein Engagement ist Gold wert, gerade für die Azubis. Wir machen eine Erhöhung um 150 Euro im Monat. Zusätzlich bekommst du eine Umsatzbeteiligung auf Produktverkäufe.“
Miriam: „Das freut mich sehr. So habe ich auch einen Anreiz, die Verkäufe weiter zu pushen.“
Leonie, 22, frisch aus der Ausbildung
Leonie: „Frau Weber, ich bin jetzt seit einem halben Jahr Gesellin. Ich habe meine Probezeit erfolgreich bestanden und viele positive Rückmeldungen von Kundinnen bekommen. Deshalb würde ich gerne mein Gehalt anheben – so wie es auch in unserer Branche üblich ist.“
Chefin: „Leonie, du hast wirklich einen tollen Start hingelegt. Ich erhöhe dein Gehalt ab sofort um 100 Euro. Und zusätzlich bekommst du zwei freie Tage für ein Social-Media-Seminar, das wir übernehmen.“
Leonie: „Wow, danke! Das gibt mir das Gefühl, richtig angekommen zu sein.“
Tobias, 31, Barber
Tobias: „Herr Lehmann, seit ich bei uns den Barbershop-Bereich aufgebaut habe, haben wir viele neue Kunden gewonnen. Ich denke, das rechtfertigt eine Anpassung meines Gehalts. Mein Vorschlag wäre eine Erhöhung um 8 %.“
Chef: „Du hast recht, Tobias. Der Barber-Bereich läuft wirklich super, und das ist dein Verdienst. Wir erhöhen dein Gehalt wie vorgeschlagen. Zusätzlich zahlen wir deine nächste Fortbildung im Bereich Bartpflege.“
Tobias: „Super, das motiviert mich noch mehr, den Bereich weiter auszubauen.“
Markus, 40, Senior Stylist
Markus: „Frau Berger, ich möchte mit Ihnen über meine Rolle im Salon sprechen. Neben meinen Stammkunden übernehme ich oft die Urlaubsvertretung, leite unser Team-Meeting und habe im letzten Jahr drei Schulungen besucht. Deshalb finde ich, dass eine Anpassung meines Gehalts angebracht ist.“
Chefin: „Das sehe ich genauso, Markus. Wir erhöhen dein Gehalt um 200 Euro im Monat und geben dir zusätzlich eine Umsatzbeteiligung für große Farbservices.“
Markus: „Vielen Dank, das ist ein starkes Zeichen der Wertschätzung.“