Preis-Hierarchien im Salon

Mehr Erfahrung = mehr Wert = mehr Preis?

Warum Preis-Hierarchien im Salon Sinn machen – und wie Du sie fair kalkulierst

Junior, Top, Master – klingt nach Hip-Hop? Ist aber ein ziemlich cleveres Preismodell, das für viele Friseursalons längst zum Alltag gehört. Warum es funktioniert, wie Du es einführst und warum Sassoon es bis zur Perfektion lebt – das erfährst Du hier.


Mehr Erfahrung = mehr Wert = mehr Preis?
Du kennst das: Manche Kund:innen bringen ein Bild aus dem Internet mit, wollen den neuesten Color-Trend, die perfekte Balayage oder einen Schnitt, der exakt auf ihr Gesicht zugeschnitten ist. Andere buchen "nur Spitzen schneiden" oder eine schnelle Ansatzfarbe.
Dass hinter diesen Services ganz unterschiedliche Anforderungen stecken, ist logisch – und genau das spiegelt das Preismodell mit Hierarchien wider.

Das Grundprinzip ist einfach:
Je erfahrener, spezialisierter und gefragter der oder die Stylist:in, desto höher der Preis. Nicht aus Willkür, sondern weil Zeit, Expertise und Verantwortung wachsen.


Preisstufen im Überblick: Wer ist wer?

Was bedeutet eigentlich „Top Stylist“ oder „Master“ konkret? Natürlich kannst Du die Bezeichnungen in Deinem Salon individuell gestalten – wichtig ist nur, dass Kund:innen und Team verstehen, was dahintersteckt.

Hier ein bewährtes Modell:

Junior Stylist / Stylist (Level 1–2):
Friseur:innen in Ausbildung oder kurz nach der Gesellenprüfung. Oft begleiten sie noch Kolleg:innen oder übernehmen einfachere Services.

Top Stylist / Expert Stylist (Level 3–4):
Erfahrene Allrounder mit sicherem Handwerk und regelmäßigem Kundenstamm. Technisch versiert, mit sicherem Gespür für Trends und Beratung.

Master Stylist / Creative Director / Salon Director (Level 5+):
Spezialisten mit überdurchschnittlicher Erfahrung, Führungsverantwortung, Weiterbildungserfahrung oder medienwirksamer Präsenz.

Spezialisten wie Color Experts oder Men Experts:
Hier zählen Tiefenwissen und Perfektion in einem bestimmten Fachbereich – etwa Farbe, Herrenhaarschnitt oder chemische Umformung. Ihre Preise können sogar noch über denen der

Master-Stylist:innen liegen, wenn der Fokus entsprechend hochqualifiziert ist.
Wichtig: Diese Titel sind keine Statussymbole, sondern Werkzeuge zur Orientierung – für Kund:innen und Team.


Wie berechnet man Preise mit Hierarchien?

Jetzt wird’s konkret. Denn auch wenn viele Salons Preisstufen nutzen – die dahinterliegende Kalkulation bleibt oft unklar. Hier kommt ein Modell, das transparent ist und wirklich funktioniert.

Schritt 1: Grundkosten pro Stunde ermitteln (ohne Gehalt)
Addiere alle monatlichen Fixkosten (z. B. Miete, Strom, Produkte, Verwaltung, Marketing …)
→ Teile die Summe durch die verkauften Salonstunden, also die bezahlten Leistungen Deiner Friseur:innen.
Beispiel:
Fixkosten = 10.000 €
Verkaufte Salonstunden = 1.000
Grundkosten pro Stunde = 10 €


Schritt 2: Gehaltskosten nach Hierarchie-Level
Rechne für jedes Level den Bruttostundensatz inklusive aller Nebenkosten (Sozialabgaben, Arbeitgeberanteile usw.).
Beispiel:
Junior Stylist: 20 €/Std.
Top Stylist: 30 €/Std.
Master Stylist: 45 €/Std.
Color Expert: 50 €/Std.


Schritt 3: Gesamtkosten pro Stunde
Addiere Grundkosten + Gehaltskosten:
Junior: 10 € + 20 € = 30 €/Std.
Top Stylist: 10 € + 30 € = 40 €/Std.
Master Stylist: 10 € + 45 € = 55 €/Std.
Color Expert: 10 € + 50 € = 60 €/Std.


Schritt 4: Gewinnaufschlag definieren
Ein fairer Gewinnaufschlag liegt meist bei 20–30 %. Du kannst je nach Dienstleistung variieren.
Bei High-End-Leistungen wie Balayage ist auch ein höherer Aufschlag möglich.


Schritt 5: Endpreise berechnen
Beispiel: Haarschnitt (Dauer: 45 Min. / 0,75 Std.), 25 % Gewinnaufschlag

Junior:
30 € × 0,75 = 22,50 € → + 25 % = ca. 28–30 €

Top Stylist:
40 € × 0,75 = 30 € → + 25 % = ca. 38–40 €

Master Stylist:
55 € × 0,75 = 41,25 € → + 25 % = ca. 52–55 €

Beispiel: Farbe (Dauer: 90 Min. / 1,5 Std.), Materialkosten 15 €, Color Expert
60 € × 1,5 = 90 €
Material = 105 €
25 % Gewinn = 130–135 €


Das machen Sassoon Salons

Die Sassoon Salons zeigen seit Jahren, wie professionell ein gestaffeltes Preissystem aussehen kann – mit maximaler Transparenz für die Kund:innen.

Beispiel aus der Preisliste:

Haarschnitt:
Student Stylist: ab 80 €
Stylist: ab 110 €
Top Stylist: ab 117 €
Expert Stylist: ab 124 €
Master Stylist: ab 131 €
Creative Director: ab 145 €
German Director: ab 160 €

Farbe:
Technologe: ab 95 €
Colour Director: ab 120 €
Balayage: ab 300 € (je nach Level)

Besonders spannend:
Sassoon trennt klar zwischen „Stylist“ (Schnitt) und „Technologe“ (Farbe) – und zeigt damit, wie stark Spezialisierung den Preis beeinflusst.
Zudem gibt es sogenannte Frequency Benefits – wer regelmäßig kommt, zahlt weniger. Das sorgt für Kundenbindung und Planbarkeit.


Vorteile eines gestaffelten Preissystems

Motivation für Mitarbeitende:
Klare Perspektive: Wer sich weiterbildet oder spezialisiert, verdient mehr.
Klarheit für Kund:innen:
Sie können frei wählen – je nach Budget, Vertrauen und Anspruch.
Breitere Zielgruppe:
Vom Azubi-Schnitt bis zum High-End-Makeover – jeder findet sein Angebot.
Wertschätzung von Qualität:
Dein Know-how wird sichtbar – und bezahlt.
Höherer Umsatz bei gleicher Auslastung:
Top-Leistungen bringen höhere Preise – ohne mehr Zeit zu benötigen.


Herausforderungen? Ja – aber lösbar.

Komplexere Preisliste:
Ein klares System, gut erklärt im Beratungsgespräch oder auf der Website, löst das.

Ungleichgewicht im Team:
Achte auf gerechte Verteilung der Kund:innen. Starte Aktionen für Junior-Stylist:innen oder biete spezielle Einstiegspreise.

Kommunikation ist alles:
Erkläre Kund:innen transparent, warum unterschiedliche Preise gerechtfertigt sind – nicht arrogant, sondern professionell.

Druck auf Nachwuchs?
Nur, wenn das System falsch gelebt wird. Sorge für Feedback, Mentoring und Raum zum Wachsen.


Fazit: Mach Deine Preise sichtbar fair
Ein durchdachtes Preissystem mit Hierarchien ist kein Luxus – sondern ein Zeichen von Professionalität.
Du zeigst damit nicht nur den Wert Deiner Arbeit, sondern gibst auch Deinem Team einen Rahmen für Entwicklung und Orientierung.

Wichtig ist: Kalkuliere fair. Kommuniziere klar. Und lebe das System im Alltag.
Dann wird aus einem bloßen Preismodell ein echtes Qualitätsversprechen – und ein Booster für Team, Umsatz und Kundenzufriedenheit.

Wie läuft’s bei Dir im Salon?
Hast Du bereits Hierarchien eingeführt – oder denkst Du darüber nach?
Schreib mir gerne Deine Erfahrungen oder Fragen: presse@menschenimsalon.de – ich freu mich auf den Austausch.

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