Altersarmut im Friseurberuf

Wie Du rauskommst aus der Abwärtsspirale

Schockierende Zahlen machen derzeit die Runde: Wer heute als Friseur oder Friseurin arbeitet, gehört zu den Berufsgruppen, denen im Alter besonders häufig Armut droht. Die Rentenpunkte reichen kaum für ein Leben über der Armutsgrenze – selbst nach 40 oder 45 Arbeitsjahren in Vollzeit. Was viele nicht wissen: Es gibt Möglichkeiten, sich dagegen zu wappnen. Dieser Artikel zeigt Dir, wie Du nicht nur über die Runden kommst, sondern langfristig für Dich selbst sorgen kannst – egal, ob angestellt oder selbstständig.

Warum betrifft das so viele aus unserer Branche?

Laut aktuellen Daten verdient eine Friseurin oder ein Friseur in Deutschland im Schnitt nur rund 2.145 Euro brutto im Monat. Selbst mit Meistertitel liegt der Durchschnitt kaum über 2.400 Euro. Das ist weit entfernt von der Grenze, die nötig wäre, um später eine auskömmliche Rente zu erhalten.

Der Hintergrund: Um pro Jahr einen vollen Rentenpunkt zu bekommen, braucht es ein monatliches Bruttoeinkommen von etwa 4.200 Euro. Wer nur 3.500 Euro verdient – also schon deutlich mehr als der Durchschnitt – erreicht gerade einmal 0,8 Rentenpunkte im Jahr. Das reicht auf Dauer nicht.

Nach 45 Arbeitsjahren bei diesem Einkommen würden im Alter nur rund 1.470 Euro brutto als gesetzliche Rente stehen. Und davon gehen noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab. Die offizielle Armutsgrenze in Deutschland liegt bei 1.378 Euro netto. Es ist also kein Alarmismus, sondern harte Realität: Viele Kolleginnen und Kollegen in der Branche steuern auf Altersarmut zu.

Was kannst Du tun, wenn Du nicht wechseln willst – sondern Friseur:in bleibst?

Du liebst Deinen Beruf. Du willst nicht raus aus dem Salon, sondern mittendrin bleiben. Trotzdem möchtest Du später nicht jeden Cent umdrehen müssen. Die gute Nachricht: Es gibt Möglichkeiten, selbst innerhalb des Friseurhandwerks ein höheres Einkommen zu erzielen – und damit für das Alter vorzusorgen.

1. Spezialisierung statt Stillstand

Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die deutlich besser verdienen – auch ohne ihren Salon zu verlassen. Was sie unterscheidet: Sie haben sich auf ein Spezialgebiet konzentriert. Das kann Coloration, Blondierung, Locken, Haarverlängerung, Kopfhautpflege oder Brautstyling sein. Kundinnen sind bereit, für Expertise mehr zu bezahlen. Und sie empfehlen Dich weiter.

Wer sich gezielt fortbildet und als Expertin oder Experte wahrgenommen wird, bringt einen höheren Umsatz in den Salon – und kann so auch ein besseres Gehalt verhandeln oder sich für den Schritt in die Selbstständigkeit besser aufstellen.

2. Trau Dich, über Geld zu sprechen

In kaum einem Beruf ist die Zurückhaltung beim Thema Geld so groß wie in unserer Branche. Dabei ist es entscheidend, dass Du Deinen Wert kennst – und benennen kannst. Wenn Du viele Stammkunden hast, Zusatzverkäufe machst und regelmäßig ausgebucht bist, ist das ein starkes Argument für ein besseres Gehalt. Sprich mit Deiner Chefin oder Deinem Chef darüber. Nicht fordernd, sondern gut vorbereitet.

Auch wenn Du schon lange im Beruf bist und nie über eine Gehaltsanpassung gesprochen hast – es ist nie zu spät, damit anzufangen.

3. Selbstständig, aber smart

Die Selbstständigkeit ist kein Allheilmittel – aber für viele Friseurinnen und Friseure ein Weg, sich aus dem niedrigen Lohngefüge zu befreien. Wichtig ist: Es braucht ein klares Konzept.

Wer sich heute selbstständig macht, sollte nicht nur mit handwerklichem Können, sondern auch mit betriebswirtschaftlichem Verständnis und digitaler Unterstützung arbeiten. Das fängt bei der Terminvergabe an, geht über professionelle Online-Präsenz und endet bei Zusatzumsätzen durch Produktverkauf oder spezielle Angebote.

Ein Beispiel: Eine Friseurin, die sich auf hochwertige Haarverlängerungen spezialisiert hat, mit Online-Buchungssystem arbeitet und gezielt Stammkundschaft aufbaut, kann mit wenigen Kundenterminen pro Tag über 4.000 Euro brutto im Monat erreichen – auch ohne Angestellte.

4. Vorsorge auch bei kleinem Gehalt

Viele denken: „Ich verdiene zu wenig, um privat vorzusorgen.“ Doch schon kleine Beträge machen über Jahrzehnte einen Unterschied. Es gibt heute viele Modelle, mit denen Du auch als Angestellte monatlich 50 oder 100 Euro in eine zusätzliche Altersvorsorge stecken kannst. Betriebsrenten, ETF-Sparpläne oder Riester-Rente sind Möglichkeiten, die Du prüfen solltest – am besten mit einer unabhängigen Beratung.

Auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in unserer Branche sollten dieses Thema stärker fördern – etwa durch Angebote zur betrieblichen Altersvorsorge oder Unterstützung bei Vorsorgeplänen. Denn auch das kann helfen, Fachkräfte zu binden.

 

Fazit: Dein Beruf ist wertvoll – und Du darfst mehr erwarten

Es ist eine gesellschaftliche Ungerechtigkeit, dass ein Beruf mit so viel Nähe zum Menschen, mit Kreativität, Verantwortung und täglicher körperlicher Arbeit im Alter so schlecht dasteht. Doch Du kannst – innerhalb dieses Systems – eigene Wege finden, besser dazustehen.

Wichtig ist, dass wir als Branche offen über das Thema sprechen. Dass wir uns vernetzen, weiterbilden, mutiger werden – im Gespräch über Geld, über Perspektiven, über Chancen.

Du bist mehr wert als Dein Lohnzettel. Und es ist nicht egoistisch, wenn Du willst, dass Deine Arbeit Dich auch im Alter trägt. Es ist nur fair.

Bitte stimmen Sie der Cookie Verwendung, zu Ermöglichung bestimmter Funktionen und zur Verbesserung unseres Angebotes zu. Informationen Cookies/­Datenschutz Ich stimme zu