Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) will mit einem neuen Gesetzesentwurf gegen Schwarzarbeit durchgreifen – und nimmt dabei auch Friseur:innen ins Visier. Der Plan: Alle Mitarbeiter:innen sollen künftig ihren Ausweis bei der Arbeit dabeihaben. Was das für Dich bedeutet – und ob das wirklich hilft – erfährst Du hier.
Was steckt hinter dem Vorschlag?
Im August 2025 hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil einen Gesetzentwurf vorgestellt, mit dem Schwarzarbeit in Deutschland konsequenter bekämpft werden soll. Ein zentraler Punkt darin: eine Ausweispflicht für Beschäftigte in Branchen mit erhöhtem Risiko für Schwarzarbeit – darunter auch Friseursalons, Barbershops, Kosmetik- und Nagelstudios.
Der Vorschlag sieht vor, dass alle Angestellten ihren Personalausweis oder Reisepass während der Arbeitszeit mitführen müssen, um sich bei Kontrollen eindeutig ausweisen zu können.
Ist das schon Gesetz?
Nein.
Derzeit handelt es sich nur um einen Gesetzesentwurf, der zunächst vom Bundeskabinett beschlossen werden müsste und anschließend den Bundestag und Bundesrat durchlaufen muss. Das heißt: Aktuell gilt diese Pflicht noch nicht.
Ob und wann das Vorhaben tatsächlich Gesetz wird, ist noch offen.
Was plant Klingbeil konkret?
Laut Entwurf soll Folgendes gelten:
- Mitführungspflicht von Ausweisdokumenten während der Arbeitszeit
- Gültige Originaldokumente (kein Foto auf dem Handy!)
- Bußgelder bis zu 5.000 Euro bei Verstößen
- Fokus auf „anfällige“ Branchen wie Friseurhandwerk, Bau, Logistik oder Gastronomie
Begründet wird die Maßnahme damit, dass es bei bisherigen Kontrollen oft Probleme bei der Identitätsfeststellung gab – etwa durch fehlende Papiere oder gefälschte Angaben.
Warum gerade wir Friseur:innen?
Der Friseurberuf zählt – ähnlich wie das Baugewerbe – zu den Bereichen, in denen häufig in Bargeld bezahlt, mit Aushilfen gearbeitet oder informelle Absprachen getroffen werden. Das allein ist kein Beweis für Schwarzarbeit, doch für Kontrolleure ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko.
Klingbeils Ministerium möchte die Kontrollen künftig digitaler, schneller und effektiver gestalten – und hofft, durch die Ausweispflicht schneller aufdecken zu können, wer wirklich vor Ort arbeitet und wie lange.
Was bedeutet das für Deinen Salonalltag – falls es kommt?
Wenn der Entwurf in dieser Form Gesetz wird, müsstest Du als Saloninhaber:in künftig:
Dein Team aktiv auf die Pflicht hinweisen
Darauf achten, dass alle gültige Ausweisdokumente bei sich tragen
Neuen Mitarbeitenden die Regelung im Onboarding erklären
Im Idealfall auch eine Liste führen, wer welchen Ausweis wann vorgelegt hat
Und was sagen Kritiker:innen dazu?
Viele in der Branche – auch in anderen betroffenen Gewerken – halten den Vorschlag für überzogen. Die Argumente:
Die Pflicht trifft vor allem ehrliche Betriebe, während echte Schwarzarbeit meist ganz ohne Anmeldung geschieht.
Kleine Salons werden erneut belastet, bürokratisch und finanziell.
Misstrauen statt Unterstützung: Anstatt dem Handwerk zu helfen, fühlen sich viele unter Generalverdacht gestellt.
Kein echter Beitrag zur Lösung: Denn Ausweise mitzuführen bedeutet noch lange nicht, fair bezahlt oder korrekt angemeldet zu sein.
MIS fragt: Geht’s hier wirklich um Gerechtigkeit – oder nur ums Symbol?
Die Grundidee, gegen Schwarzarbeit vorzugehen, ist richtig und wichtig. Doch statt weiterer Auflagen wünschen sich viele Friseur:innen eher echte politische Unterstützung:
Wertschätzung der Ausbildung
Faire Löhne und Entlastung bei Sozialabgaben
Stärkung kleiner Betriebe
Solange diese Themen nicht mitgedacht werden, wirkt die Ausweispflicht für viele wie ein Tropfen auf den heißen Stein.
Was Du jetzt tun kannst
Auch wenn die Regel noch nicht gilt, lohnt es sich, vorbereitet zu sein.
Sprich mit Deinem Team, beobachte die politische Entwicklung – und bleib dran.
Wir von Menschen im Salon informieren Dich natürlich sofort, wenn es konkrete Änderungen gibt.
Deine Meinung zählt!
Findest Du den Vorschlag sinnvoll – oder hältst Du ihn für Symbolpolitik?
Schreib uns Deine Gedanken an presse@menschenimsalon.de oder direkt auf LinkedIn.
Wir sind gespannt – und bleiben für Dich dran.