Arbeiten in den Benelux-Ländern

Kleine Nachbarn, große Unterschiede: Der Name und die räumliche Nähe mögen vielleicht dazu verführen, die Benelux-Staaten über einen Kamm zu scheren: Tatsache jedoch ist, dass sich die Mentalitäten und Arbeitskulturen in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg stark voneinander unterscheiden.

Die Niederlande


Seit Ende der 1990er Jahre verzeichnet das Land einen regelrechten Beschäftigungsboom. Jobs gibt es genug - bei einer Arbeitslosenquote von nur 2,7 %. Diesen Erfolg haben die Niederländer einem extrem flexiblen Arbeitsmarkt zu verdanken. Teilzeit-, Zeitarbeits- und Telearbeitsmodelle sind weit verbreitet. Fleiß und Freizeit sind in den Niederlanden kein Widerspruch. Niemand wird sich dort einer 70-Stunden-Woche rühmen und als aufopferungsvolle Stütze der Wirtschaft feiern lassen. Es wird konsequent sehr konzentriert gearbeitet, dann heißt es zwischendurch aber auch immer mal wieder: "So, jetzt trinken wir erst mal einen Kaffee!" Zudem sind die Chefs locker, man ist per DU. Flache Hierarchien und ein partnerschaftlicher Arbeitsstil machen das Arbeiten in den Niederlanden angenehm.


Das Land gehört zu den größten Exportnationen der Welt. Philips, Shell, Unilever, Akzo- Nobel oder ABN- AMOR sind von den Niederlanden aus operierende Unternehmen. Fast alle großen Firmen haben sich in den sogenannten Randstad niedergelassen - dem Ballungsraum im Westen des Landes, zu dem Amsterdam, Haarlem, Leiden, Den Haag, Rotterdam und Utrecht gehören.


Die Niederländer finden die Deutschen nicht unbedingt witzig oder charmant aber sie schätzen es, wie sie arbeiten. Nicht zuletzt ist Deutschland ihr wichtigster Handelspartner. Gute Berufsperspektiven auf dem niederländischen Arbeitsmarkt haben derzeit Wirtschaftwissenschaftler, IT- Profis und Ingenieure sowie Verwaltungsfachkräfte und Berater. Niederländische Sprachkenntnisse sind von Vorteil, aber aufgrund der Vielzahl internationaler Unternehmen in den Niederlanden kein Muss, sagt Edith van de Scheur, Managerin von: www.kappersjobagent.nl. Wer kein Niederländisch spricht, sollte aber nicht plump ins Deutsche verfallen- so nach dem Motto: Die können das ja eh. Besser sei es, einen Niederländer in Englisch anzusprechen.

 

 

Die meisten Friseur-Stellen werden über www.kappersjobagent.nl und einige Fachzeitschriften vermittelt. Viele Salons, die Mitarbeiter suchen, nutzen heute das Internet zur Personalgewinnung, sagt Edith van de Scheur. Den Lebenslauf kann man von Deutschland aus schicken, sagt Edith van de Scheur, allerdings wollen manche Vermittler mit den Kandidaten vorab ein Jobinterview in den Niederlanden führen. Die Bewerbungsunterlagen sollten kurz und knapp gehalten sein, und die Übermittlung als PDF ist völlig in Ordnung.


Die Niederländer verdienen etwas weniger als die Deutschen. Steuern und Abgaben sind jedoch niedriger, sodass Netto gleich viel oder sogar etwas mehr Geld übrig bleibt. Die Lebenshaltungskosten entsprechen in etwa den deutschen, Wohnungen sind aber exorbitant teuer. Für eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Amsterdam muss man gut und gerne 3000 Euro Miete zahlen. Da viele Wohnungen Unternehmen gehören, ist es sinnvoll, den Arbeitgeber zu fragen, ob er gegebenenfalls bei der Vermittlung einer Unterkunft behilflich sein kann.

 


Tipps für das Arbeiten in den Benelux-Ländern von: Edith van de Scheur, Managerin von: www.kappersjobagent.nl


Was sollte man über das Arbeitsleben in den Niederlanden wissen?
Die Unterschiede sind viel größer, als man denkt. Die Deutschen überrascht immer am meisten, dass die Arbeitsatmosphäre in den Niederlanden gut ist. Man kommt miteinander aus, weil der Mensch wichtiger ist als die Funktion. Es wird nicht erwartet, dass man fehlerlos ist, es wird viel mehr erwartet, dass man vertrauenswürdig ist.

 

Das klingt nach flachen Hierarchien. Aber einer im Team oder in der Abteilung hat doch sicher das Sagen?
Das Hierarchienverständnis ist tatsächlich ein ganz anderes. Alle Mitglieder eines Teams zählen gleich viel, egal ob Chef oder Praktikant. Sie unterscheiden sich nur durch ihre Aufgaben. Der Chef ist sozusagen nur ein Kollege, der den Überblick bewahrt, strategisch plant und sich für die Belange der Mitarbeiter einsetzen muss. Wer als Vorgesetzter Kommandos erteilt - du machst dies und du machst das- bekommt unweigerlich Akzeptanzprobleme. Arbeitsaufträge werden in den Niederlanden grundsätzlich als freundliche Bitte formuliert. Allerdings bedeutet eine höfliche Ansage wie: Könnten Sie vielleicht dies und das erledigen, nicht dass man sich überlegen kann, ob man Zeit und Lust dazu hat. Es muss getan werden!

 

Redet der Chef nicht in die einzelnen Teilaufgaben und Projekte hinein?
Nein. In ihren jeweiligen Aufgabenbereichen haben die Mitarbeiter ein viel weiter reichendes Mandat als in Deutschland. In der Regel trifft hier nicht allein der Chef die Entscheidungen, sondern der inhaltlich, mit einer Sache befasste Mitarbeiter ist auch maßgeblich für die weichen Stellungen verantwortlich. Auch bei wichtigen Verhandlungen spricht nicht zwangsläufig der Teamleiter zum Thema, sondern derjenige, der in der Sache über die größte Kenntnis verfügt.

 

Klingt paradiesisch. Wie sieht es mit der Zusammenarbeit unter den Kollegen aus?
Es herrscht eine offene Arbeitsatmosphäre, alle bleiben ständig im Gespräch miteinander. Man informiert sich gegenseitig und holt die Meinung der anderen ein. Dies geschieht auf dem Gang oder in den häufig stattfindenden Besprechungen - den Overleg- Sitzungen. Alle Beiträge werden ernst genommen. In der Diskussion geht man aufeinander zu, das Beharren auf der eigenen Position wirkt unversöhnlich und wird als nicht konstruktiv wahrgenommen. Alle Parteien müssen zu ergebnisoffenen Diskussionen bereit sein und nach einem Kompromiss suchen.

 

Auch in Belgien wird teils Niederländisch gesprochen. Ist die Arbeitskultur dort ähnlich offen?
Belgien ist ein romanisch orientiertes Land und daher ganz anders geprägt. Man hat eine längere Mittagspause, in der man Essen geht - und zwar warm. Vor allem aber beim Thema Konfliktbewältigung gibt es große Unterschiede. Während in den Niederlanden ein Problem direkt angesprochen wird - Die Lage ist so und so. Wie lösen wir das? - wird in Belgien ganz vorsichtig und eher indirekt kommuniziert. Dinge werden auch länger ausgesessen bevor gehandelt wird. Dahinter steckt das Konzept, sich zu verhalten, dass der andere sein Gesicht wahren kann. Ebenso wird ein Belgier, wenn Dinge schwierig sind, niemals laut und deutlich Nein sagen. Wenn das Gegenüber zögernd und ausweichend antwortet, kann durchaus ein definitives Nein gemeint sein.

 

Was raten Sie jungen Menschen, die wegen einer interessanten Arbeitsstelle nach Luxemburg ziehen möchten?
Luxemburg ist ein kleiner, souveräner Staat mit einer einflussreichen politischen Position. Man sollte Luxemburg unbedingt als Land mit seiner Kultur, seinen Kompetenzen und seinen Errungenschaften ernst nehmen und Anerkennung zeigen.

 
Was macht denn die Luxemburger aus?
Wundern darf man sich nicht über ihre Verschlossenheit - sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft und vom Typ her sehr bescheiden. Sie sprechen alle Deutsch und Französisch und passen sich schnell ihrem Gegenüber an. Ihre Muttersprache ist jedoch Luxemburgerisch, eine Sprache, mit der sie in Wort und Schrift kommunizieren. In Luxemburg kennt jeder jeden, zumindest in der eigenen Branche. Vieles läuft über persönliche Kontakte, und diese persönlichen Kontakte sind sehr verlässlich. Als Ausländer aus einem Riesenland sollte man unbedingt auf den anderen zugehen, versuchen, ihn kennenzulernen und vielleicht mal essen zu gehen. Dabei darf man aber dann nicht gleich den Arbeitsordner auf den Tisch legen oder berufliche Fragen in den Vordergrund stellen. Besser ist es, nicht zu drängeln, sondern vielleicht am nächsten Morgen noch mal telefonisch nachzuhaken.

 

 

 

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