Friseure sind keine Handwerker! Sondern?

Bild des Handwerkers erschwert er die Chance, sein Geschäft modern und damit erfolgsorientiert aufzustellen!

Handwerker haben es schwer

Der Weg vom Handwerker zum Unternehmer

Wir wissen ja: das Selbstbild beeinflusst gewaltig die Art, wie wir von anderen gesehen werden. Solange die Branche und jeder einzelne Friseur sich hinter dem Bild des Handwerkers versteckt, erschwert die Chance, sein Geschäft modern und damit erfolgsorientiert aufzustellen! sagt Hannes Friedl, Unternehmensberater und Friseurcoach. Ja, lieber Leser: das ist der Wahrheit! Wie ein perfekt vermarkteter C-Promi behaupten würde. Friseure sind tatsächlich schon lange keine Handwerker mehr. Sie sind längst zu permanent dem Zeitgeist unterworfenen Dienstleistern mit einer zum Verkauf stehenden handwerklichen Nebenleistung geworden. In modernen Friseurbetrieben spielt demnach der Dienstleistungsumsatz lange nicht mehr die weit übergeordnete Rolle. Häufig stehen hier nur noch 65% in den Büchern. Sieht man sich als Dienstleister und Handelsunternehmen, bringt dies zahlreiche Möglichkeiten, das eigene Unternehmen neu zu orientieren.


1. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Handelsunternehmen!
In einem Handelsunternehmen wird etwas verkauft. Irgendein tolles, geeignetes Produkt wechselt den Besitzer für irgendeine Zahl von Euros. Bei Friseuren sprechen wir hier von allen Formen des Equipment. Kämme, Bürsten, Glätteisen, Föhne - Sie wissen, was ich meine.
Würden Sie nun anfangen, aus der Selbstsicht eines Handelsunternehmens heraus zu agieren, würden Sie beispielsweise zu einer Parfümerie marschieren und sich dort evtl die Warenpräsentation abkupfern. Sie würden gewaltige Unterschiede zu Ihrem eigenen Laden feststellen und sofort anfangen, Ihre Warenpräsentation an die Firma „"Dugras" anpassen. Denn die haben Millionen ausgegeben für Psychologen um Ihre Displays zu gestalten. Nett, nicht!


2. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Hotel!
Für so manche Kundin ist ein Friseurbesuch ja die reinste Folter. Mangelnde Umgangsformen treffen auf einen Mangel an kommunikativer Qualität. Und wenn dann, wie in den meisten Fällen die Friseurin noch aussieht, als wäre sie gerade aufgestanden, dann kann man sich schon mal unwohl fühlen. Auch Sie, liebe Friseure, beherbergen ja Gäste - ok, nicht so lange, schliesslich schlafen die eher selten bei Ihnen- aber Tatsache ist, dass Ihre Kunden oft Stunden bei Ihnen verbringen. Wie dementsprechend wirklich guter Service aussieht, könnten Sie sich im Gastgewerbe abschauen. Packen Sie doch einfach mal Ihre Mitarbeiter ins Auto und gönnen Sie sich einen gepflegten, aber zielorientierten Ausflug in ein tolles Hotel. Die Aufgabe: was machen die anders als wir. Und dann setzen Sie das Beobachtete einfach um.


3. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Industriebetrieb!
Zweifellos etwas weit hergeholt, aber auch Sie machen ja Ihre Frisuren an manchen Wochentagen wie am Fliessband. Um ein Gefühl für Organisation zu bekommen, lohnt sich ein Blick in die Industrie. (Sonst leider nicht!) Hier gibt es, weil viele Mitarbeiter zusammenkommen, klar formulierte Regeln und Grundsätze für Arbeitsweisen und den Umgang miteinander. Diese Form von System bei Mitarbeiterführung, Marketing und Betriebsabläufen, spart Zeit und erhöht Rentabilität in den jeweiligen Betrieben. Interessant wird dieser Blick vor allem dann, wenn es um Abläufe und sog. Stellenbeschreibungen geht. Sicher kennen auch Sie jemanden, der bei einem grossen Betrieb arbeitet. Machen Sie mit ihm ein Date und quetschen Sie ihn mal so richtig aus. Fragen Sie doch einfach mal: wie läuft das und jenes denn eigentlich bei Euch? Wenn´s dann noch ein Netter ist, macht das sogar noch Spaß und wer weiss, wo es endet?


4. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Schnellrestaurant!
Hier kann man die hohe Kunst der Betriebsorganisation lernen. Kaum zu glauben, wie sehr hier alles ineinander greift. Macht man sich zuhause mal einen Burger, dann kann das schon mal eine halbe Stunde dauern. Dass man die Gewähr hat, dass er jedes Mal gleich schmeckt und nach zwei Minuten auf dem Teller liegt, ist für den Hobbykoch eher ungewöhnlich. Eben perfekt organisiert. Vieles kann man von den Branchenführern abschauen, denn wir stehen als Friseure unter ähnlichem Kundendruck. Also: nicht mal nur nach „"Wurger-Queen" gehen, um sich Pommes zu holen, sondern mal rein, einen Platz nahe der Bestellzeile suchen und eine halbe Stunde eine Tüte Pommes essen. In diesem Restaurant machen Sie sich bestimmt keine Freunde, aber hier lernen Sie, was perfekte Organisation heisst.

 

5. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Mobilfunkunternehmen
Werbung und Marketing ist mit die grösste Schwäche in der Friseurbranche. Manchmal ist die Kernleistung, also das Haareschneiden, noch gut genug, oder der Mitbewerb so richtig schlecht. So sichern sich viele Friseurbetriebe ihre Existenzberechtigung. Werbung, gezielt und kontinuierlich, ist für die meisten Firmen der New Economy das A und O. Würden solche Unternehmen nicht permanent präsent sein in der Werbung, würden sie innerhalb von Wochen vom Markt verschwinden. Was Sie von T-Mobile lernen können? Nichts, aber es gibt andere, die machen einen richtig tollen Job in der Werbung: BASE zum Beispiel. Das ist eine EPlus- Tochter. Mit knapp 1,4 Millionen verkauften Veträgen seit Ende 2005 eines der erfolgreichsten Produkte auf dem Mobilfunkmarkt. Sie haben die Zielgruppe festgelegt und einfach Kunden hergenommen, um von ihrem Produkt zu erzählen. Warum das beim Friseur nicht funktionieren sollte, ist mir ein Rätsel. Erfolgreich wurde diese Marke aber nur durch individuelle, kontinuierliche und gezielte Werbung. Das machen die meisten Friseure nicht wirklich, aber Sie können ja anfangen damit! Ein guter Betrieb macht ständig Werbung, denn er muss sein Image auf genauso hohem Niveau halten, wie seine Leistungen. Entscheiden Sie sich hier für die Spar- oder „"No ads"-Variante, gestalten Sie kein Image. Und wer kein Image hat, muss günstige Preise als Vorteil haben.


6. Stellen Sie sich vor, Sie wären „"Tony Möllerwalz" oder "Udo-Marlies von Guy"
Also: ich sage nicht, Sie sehen nicht gut aus! Aber ein Besuch bei einem namhaften Friseurprofi kann Ihnen in zwei Stunden eine neue Welt zeigen. 1. sehen Sie noch besser aus und zweitens sehen Sie dort zahlreiche Dinge, die Sie -weil branchenintern- sofort umsetzen können, ohne grossartig Ihr Konzept zu verändern. Na gut: Sie müssen vielleicht eine ordentliche Stange Geld berappen für das Abkupfern, aber besser bekommen Sie es nicht mehr. Sie als Profi, sehen ja sofort, wie in deren Betrieb der Hase läuft. Und wenn nötig, lohnt es sich sogar, einen Mitarbeiter mitzunehmen, denn oft denkt ja das Personal, dass drei Kundenbesuche pro Tag schon eine Meisterleistung ist, die sofort befähigt, den Meisterkurs zu buchen. (bissig, aber der Autor ist bekennender Fan der „Meister ab 25"-Regel.)

 

Das Wort Neugier ist ein tolles Wort: „"Neu" ist immer toll und interessant. „"Gier" steht für hungrig und immer in Bewegung bleiben.
Mal ehrlich, die wenigsten Spitzenfriseure haben die Friseurwelt neu erfunden. Sie waren nur einfach neugieriger als andere und haben sich hier etwas abgeschaut und dort etwas gelernt.
Und Hut ab!, der Erfolg gibt jedem Einzelnen von Ihnen recht.
Wollen Sie zügig nach vorne kommen mit Ihrem Laden, dann seien Sie neugierig. Fragen Sie sich laufend, was Sie noch besser machen könnten und tun Sie mir einen Gefallen: fangen Sie endlich an, im Umgang mit Ihrem Betrieb genauso kreativ zu sein, wie auf den Köpfen Ihrer Kunden.


Dann macht alles viel mehr Spaß und Sie verdienen weit besser, als vielleicht im Moment.


Viel Spaß dabei und bleiben Sie dran,
Ihr

Hannes Friedl

 

Hannes Friedl, Inhaber der Unternehmensberatung HOMINI (http://homini.org/)

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